Freitag nachmittag, 13 Uhr dreißig, Wien, Lerchenfelder Straße. Sind die Wiener schon raus aus ihren Büros? Ooooh ja, scheint so: dass das Hauptstadt-Volk zu dieser Uhrzeit schon so manche Grünflächen belagert oder sich in diversen Einkaufsstraßen herumtreibt ist wenig überraschend, aber wenn ein kleiner Fisch-Imbiss zu dieser Zeit auch schon bummvoll ist, ja, dann haben die Wiener bereits Wochenende. Viele Leute kommen, manche gehen ob des Platzmangels wieder. Ja, es scheint richtig gut zu funktionieren, das vor vier Monaten eröffnete „Goldfisch“ genau an der Grenze zwischen siebten und achten Bezirk, in der Lerchenfelder Straße.

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Petra Goetz-Frisch und Sebastian Slavicek – privat als auch geschäftlich Partner – stecken hinter dem mittlerweile also doch nicht mehr so geheimen Fischlokal-Tipp Wiens. Sie ehemalige PR- und Marketing-Expertin, er Gastro- und Weinfachmann par excellence, waren letztes Jahr auf der Suche nach einer neuen Gastroidee, welche nicht abendfüllend ist und trotzdem gut ankommt. Sie wollen bewusst kein Restaurant im klassischen Sinne sein, eher ein Imbiss mit gleichzeitigem Fischverkauf. Dabei übernimmt Petra, die meist hinter der Fischtheke steht, das Entschuppen und Ausnehmen der Fische, das sie sich selbst beigebracht hat, sowie das hübsche Einpacken für den Verkauf. Ein gutes Produkt verdient immerhin die nötige Portion Sorgfalt. Und Sebastian nimmt sich großteils dem Service an, flitzt zwischen Küche und den wenigen aber hübschen Holztischen umher und sorgt für den passenden edlen Tropfen zum Fischgericht. In der offenen Küche, die es dank guter Lüftung schafft keine Fischgerüche im Raum zu verbreiten, steht Harald Anzböck, der unter anderem schon im Hotel Lamée, im Hilton und bei Do&Co gekocht hat. Sein Wunsch nach „etwas Kleinerem“ hat sich im Goldfisch nun erfüllt, außerdem schätzt er den direkten Kontakt zur Klientel hier mehr als in einer abgeschotteten Großraumküche.

Obwohl das Goldfisch ein Imbiss ist, hat man nicht den Eindruck sich in solch einem zu befinden, wenn man eintritt. Das Einzige, das doch darauf hinweisen könnte, ist die gut sortierte Fischvitrine samt Abwasch, die Kreidetafel mit den Preisen an der Wand und – wenn mittags ein Lieferant kommt. Dann stapeln sich die Kisten mit den Frischfischen mitten im Raum und das Eis spritzt – ein kleines Erlebnis ist das schon. Der Gastraum ist sehr stilvoll eingerichtet, von der Decke hängende Fischernetze oder allzu viele verstaubte Meeresrequisiten gibt’s hier nämlich nicht. Stattdessen ist der – dank der großen Fenster zur Straße – lichtdurchflutete und hohe Raum mit wenigen dezenten Accessoires wie Kaviardosen, der ein oder anderen goldbemalten Muschel oder puristischem Geknospe geschmückt. Sehr nett!

Mindestens genauso nett ist das Frischfischangebot und die Speisekarte, welche recht oft wechselt, jedoch immer viel frischen Fisch und Meeresgetier enthält. In der Vitrine liegen folgende Fische von verschiedenen Lieferanten auf Eis: Graved Lachs (schottischer Label Rouge), Makrele, Seezunge, Steinbutt, Rotbarbe (aus Italien), Branzino (aus dem renommierten Hause Fonda aus Portoroz), Calamari, Black Tiger Garnelen, diverse Muscheln, Thunfisch, Kabeljau, roter Wels, sowie Süßwasserfische (Forelle und Saibling) aus den oberösterreichischen Kalkalpen. Wer Fische liebt wird hier also sehr glücklich. Zur Auswahl auf der Speisekarte stehen vier Sorten Austern, ein Kaviar-Degustationsmenü (mit Blinis und Wodka serviert), die Lerchenfelder Fischsuppe, ein paar Vorspeisen wie zum Beispiel Matjes-Crostini (€ 6,40), Ofenmakrelen (€ 7,80) oder so manches Carpaccio. Zum Fixpunkt unter den Vorspeisen ist aufgrund der großen Beliebtheit der gesottene Octopus geworden (€ 9,20). Diese hübsch violetten, lauwarm servierten Stücke Meeresgetier schmecken so gigantisch gut, dass es nach jedem Bissen bisschen schmerzt, der Portion beim kleiner werden zuzusehen. Die perfekte Konsistenz, ganz und gar nicht gummig, mit würzigem Rösti und dem cremigsten Cremespinat auf Erden serviert – das war das köstlichste Meeresgericht, das ich seit Langem genossen habe – absolute Empfehlung! Als Zwischensnack finde ich den inoffiziellen Lokal-Namensgeber recht sympathisch: nicht wirklich ein Goldfisch, sondern Kieler Sprotten – die kleinen, über Buchenholz geräucherten und goldfarbenen „Glücksfische“ (€ 1 pro Stück). Sehr rauchig, sehr gut. Dann gibt es noch zwei bis drei Hauptspeisen – meist ein Pasta- und ein Risottogericht. Ich entschied mich für Ricotta-Ravioli mit Jakobsmuscheln und Zitronenbutter (€ 14,90). Die Jakobsmuscheln waren hinreißend, die Ravioli durchschnittlich gut, die Zitronenbutter allerdings zu wenig zitronig um ihrem Namen gerecht zu werden. Aber vermutlich hätte kein anderes Gericht der köstlichen Octopus-Vorspeise das Wasser reichen können. Ein Dessert gibt´s auch stets auf der Speisekarte. Manchmal ist es hausgemacht, manchmal stammt es von der italienischen Pasticcheria nebenan (Tipp: sizilianische Cannoli!).

Zu erwähnen ist außerdem, dass unter jeder Speise gleich die passende Weinempfehlung angegeben ist. Wein ist nämlich schon auch ein großes Thema im Goldfisch – im Eingangsbereich steht ein Weinregal mit Flaschen aus dem aktuellen Angebot, fürs Trinken zuhause.

Mein Fazit:

Wunderbar! Angenehm unaufgeregt aber dennoch aufregend. Ein Ort der einem fast das Gefühl gibt, dass Österreich doch am Meer liegt. Irgendwie. Darum: volle Fahrt voraus in die Josefstadt!

 Goldfisch

Lerchenfelder Straße 16

1080 Wien

Tel. 0664/ 254 9596

www.goldfisch.wien

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Vom neuen Hafen am Lerchenfeld

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