Die Suche nach dem Glück im Bank Austria Salon 

Wer von uns hat sich nicht schon auf die ein oder andere Weise auf die Suche nach dem Glück begeben. Gefunden haben es die Wenigsten.

Auf Einladung von Bank Austria Vorstandsvorsitzendem Willibald Cernko beglückten Autorin Marlene Streeruwitz und Ha Vinh Tho, Leiter des Gross National Happiness Center im Bhutan im Gespräch mit Moderatorin Isolde Charim den Barocksaal im Alten Rathaus.

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Wien (LCG) – Beim ersten Bank Austria Salon im neuen Jahr, der mittlerweile bereits in seiner 13ten Auflage statt findet, wurde am Mittwochabend im Barocksaal des Alten Rathaus über das wichtige Thema „Glück“ diskutiert. Cernkos Einladung folgten diesmal die mehrfach ausgezeichnete Autorin und Regisseurin Marlene Streeruwitz, die als eine der politisch engagiertesten deutschsprachigen Gegenwartsautorinnen gilt sowie der Leiter des Gross National Happiness (GNH) Centers Ha Vinh Tho, der extra die lange Reise aus dem Bhutan auf sich nahm. Durch den Abend führte die promovierte Philosophin Isolde Charim, die als freie Publizistin für Falter und Standard, sowie als Kolumnistin der taz und der Wiener Zeitung tätig ist.

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Bruttonationalglück: Bhutans Konzept für eine glücklichere Bevölkerung

Gross National Happiness (GNH) ist seit über 40 Jahren ein Entwicklungskonzept in Bhutan. Gemessen wird das Bruttonationalglück im Gross Happiness Index, der neun Bereiche umfasst, die mit Hilfe von 33 aggregierten Indikatoren messbar gemacht werden. Durch die einseitige Fixierung auf das wirtschaftliche Wachstum, nimmt das Wohlergehen der Menschen einen Schaden und hindert somit sozialen Fortschritt und Entwicklung. Die Aufgabe des Gross National Happiness Centers ist laut ha Vinh Tho, das Wohlergehen der Menschen zu steigern: Es fungiert als Lernzentrum, das Projekte zur Vermessung und Steigerung des Glücks in die Praxis umsetzt.

Marlene Streeruwitz zeigte sich gleich begeistert von dem Konzept des Bruttonationalglücks: „Es wäre gut für unser wirtschaftliches System in Europa wenn wir uns hier ein Beispiel nehmen würden. Mein Vorschlag wäre in Zukunft nicht mehr über politische Maßnahmen abzustimmen sondern die politischen Maßnahmen sollten sich danach richten was die Menschen wollen.“

Bruttonationalglück wichtiger als Bruttonationalprodukt

In den 70er Jahren machte sich der König von Bhutan zwei Jahre lang auf den Weg quer durch den Bhutan, um zu erkunden welche Erwartungen und Hoffnungen die Bevölkerung vom Leben habe. Der häufigste gemeinsame Nenner war die Suche nach dem Glück. Aus dieser Volksumfrage entstand eine Politik, in der Glück das oberste Ziel ist. 2008 erhielt Gross National Happiness (GNH) Verfassungsrang und wird mittlerweile sogar wichtiger als das Bruttonationalprodukt angesehen.

Die Verbindung von Glück und Verantwortung

Das Bruttonationalglück wird im Bhutan unter anderem in zwei Ebenen gemessen: Die sozialen Rahmenbedingungen und die gesellschaftliche Verantwortung müssen erfüllt werden um den individuellen Glücksvorstellungen nachkommen zu können. Hier wird differenziert zwischen „Well Being“, Wohlbefinden und den eigenen „Happiness Skills“, der Gückskompetenz.

Glück als neue Ressource für ein besseres Leben

Oft werden glücklichere Menschen als produktiver und freundlicher gesehen. Heutzutage ist es gang und gäbe auf die „Work-Life-Balance“ zu achten, um den Output des eigenen Körpers zu optimieren. Laut Streeruwitz spielen Erfahrungen, Erlebnisse und soziale Beziehungen hier eine große Rolle: Seit der Industrialisierung ist dies eine einfache Rechnung der Verwertbarkeit, leider wird das Wort Glück nur allzu oft missbraucht.

Im Bhutan wurde die Gewichtung verändert: Es steht nicht mehr das wirtschaftliche Wachstum im Zentrum sondern im Dienste des Allgemeinwohls, daher ist Bhutan der World Trade Organization (WTO) nicht beigetreten. Im neo-liberalen Wirtschaftssystem hingegen, wird das System nie in Frage gestellt sondern nur das Schaffen der Menschen. Die Bevölkerung durchlebt eine innere Verwandlung durch Achtsamkeit und Meditation und lebt so unter einem anderen Fokus.

Bhutan als Insel der Glückseligkeit

Die Idee Glück als fixen Bestandteil in die Verfassung aufzunehmen ist keine neue, sondern kommt eigentlich aus Amerika. Jedoch wurde hier der „Pursuit of Happiness“ mit dem Erwerb von Grundbesitz gleich gesetzt. In der westlichen Welt identifiziert sich Glück mit Reichtum dadurch entsteht eine enorme Ungleichheit. Es gilt auch hier zwischen dem hedonistischen Glück in Form von materiellen Gütern und dem eudämonistischen Glück, einer sinnvollen erfüllten Lebensführung zu unterscheiden.

Pluralistische Gesellschaft hat keine gemeinsame Vorstellung von Glück

Das größte Problem der heutigen Gesellschaft ist das Fehlen des gemeinsamen Weltbildes. Eine Lösung wäre laut Streeruwitz Kindern schon in der Entwicklung das Glück beizubringen. Nur allzu oft scheitern wir einfach daran das Glück zu erkennen. Schuld daran ist unter anderem auch das westliche Schulsystem. Im Bhutan hingegen erlernen Kinder soziales Denken und Kompetenzen durch emotionales Lernen, welches unter anderem besonders im Gross National Happiness Center gelehrt wird.

Glücksuche verbindet die Menschheit

„Glück ist ein vergänglicher Prozess, das ist das Leben“, darüber sind sich Streeruwitz und Tho einig. Was heute als Glück empfunden wird, kann sich morgen zum Unglück entwickeln. Es gibt kein Monument des Glücks, es wird gelebt und der Mensch muss sich immer weiter entwickeln und lernen mit seinen Problemen umzugehen. Auch im Bhutan steht die Verbindung von Glück und Unglück sehr nah zueinander und beruht auf den beiden buddhistischen Prinzipien von „Dukha“, Leiden und „Sukha“, Glück.

Hierarchie des Glücks

In der heutigen Konsumgesellschaft wird falscher Hedonismus oft mit Glück gleich gesetzt. Das Suchtverhalten hierbei vorübergehende Bedürfnisse zu befriedigen wächst ständig und das einzige Ziel ist der Konsum. Es gibt allerdings auch einen gesunden Hedonismus auf der Suche nach Balance im Leben und auf einer höheren Ebene des Glücks Selbstentfaltung zu finden. Für viele Menschen wird die Suche nach dem Glück zum Sinn des Lebens.

Das Gross National Happiness Centers versucht genau diese Frage zu erforschen und den Menschen Räume zu schaffen, wo sie das Glück finden. Es werden hier allerdings keine Vorgaben des Glücks gemacht, sondern nur bewusst die Frage nach dem eigenen Lebensziel gestellt, um die Nutzung der eigenen Ressourcen zu optimieren. Der Mensch soll wieder in Einklang mit sich selbst, der Gesellschaft und der Natur gebracht werden.

Glückliche Diskutanten im Bank Austria Salon

Einen glücklichen Abend verbrachten unter anderem Kabarettist Alf Poier, Musikmanager Mario Rossori, Intendant Thomas Bieber, Karriereexpertin Johanna Zugmann, Agenturchefin Csilla Szechenyi, Medienanwalt Georg Zanger, BAI-Vorstand Thomas Kaoubek, Mediziner Siegfried Meryn, Fazioli-Repräsentant Gustav Sych, Kunstsammlerin Elisabeth Leopold, Soziologe und Herausgeber Bernhard Seyringer, Kulturmanagerin Annemarie Türk, Karl Regensberger (Impulstanz), Autor und Musiker Lukas Meschik, Unternehmerin Renate Danler und haude-Manager René Millonig, Kunstexpertin Annette Ahrens, Private Banker Martin Partilla, Benediktinermönch und Eremit David Steindl-Rast sowie Generalsekretär des  Österreichischen Städtebunds Thomas Weninger.

Es war ein äußerst interessanter Abend, von denen es mehrere geben sollte.

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DAS GLÜCK IS A VOGERL
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